In diesem Beitrag geht es um das minimalistische und gleichzeitig sehr effektive Aufstellungsverfahren „Triadisches Prinzip“, das auch im Selbstcoaching genutzt werden kann. Anhand der Zentren Bauch, Herz und Kopf kann die aktuelle innere Haltung zu einem Thema erforscht werden und in der Kommunikation zwischen den Zentren können neue Herangehensweisen und Lösungen gefunden werden

Systemaufstellung (auch Systemische Aufstellung) bezeichnet ein Verfahren der Systemischen Therapie, in dem aus einer vorhandenen Gruppe Personen oder alternativ Figuren stellvertretend für Mitglieder oder Entitäten (Teile, Aspekte) eines (üblicherweise sozialenSystems gewählt und in einem realen Raum sodann repräsentativ zueinander in Beziehung (auf-)gestellt werden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Systemaufstellung

Ein konkretes Beispiel für eine Aufstellung wäre beispielsweise ein Konflikt in einem Team. Die betroffene Person stellt die Positionen auf. Eine unbeteiligte dritte Person stellt sich auf die Position von „Teamleiter:in“ und sagt, wie es sich auf dieser Position für sie im Kontext anfühlt. Wen sieht sie, wen sieht sie nicht? Wen empfindet sie als nah oder fern? Alle anderen Positionen werden entsprechend durchgegangen. Es ist immer wieder erstaunlich, was bei solchen Aufstellungen fühlbar und sichtbar wird und dadurch auch greifbar und veränderbar.

Die meisten Aufstellungsmethoden, wie beispielsweise die systemischen Strukturaufstellungen von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer, erfordern große Gruppen und große Räume.

Eine Methode zur „Verkleinerung“ ist das Aufstellen von Holzfiguren. Das Video „Systemische Aufstellung“ von https://main-coach-frankfurt.de/ (nicht mit mir verbunden) ist ein schönes Demo von systemischen Aufstellungen allgemein und von diesem Ansatz im Besonderen.

Neben meinen Standbeinen von (systemischer) Hypnotherapie und PEP (Prozess- und embodimentorientierter Psychotherapie von Michael Bohne) war ich auf der Suche nach einer Aufstellungsmethode, die im kleinen Rahmen umgesetzt werden kann und dennoch den eigenen Körper miteinbezieht.

Im Jahr 2021 wurde ich fündig. Das Triadische Prinzip von Gabriela von Witzleben arbeitet mit dem Aufstellen von drei Zentren/Positionen für die eigene Person:

  • Bauch: steht für das Grundbedürfnis nach Autonomie, den eigenen Weg gehen, aktiv werden in der Welt.
  • Herz: steht für das Grundbedürfnis nach Beziehung mit sich selbst und mit anderen, in Verbindung bleiben, herz-lich verbunden sein.
  • Kopf: steht für das Grundbedürfnis nach Sicherheit, Kontrolle und Überblick.

Wie bei allen Methoden gilt „The Map is not the Territory“. Das Zentrum/Position ist jeweils ein Platzhalter für vernetzte Erlebnisregionen in unserem Gehirn, die hier für etwas stehen. Bei einem anderen Thema oder bei einer Aufstellung in der Zukunft werden wieder andere Netzwerke aktiviert, daher ist keine triadische Aufstellung wie die andere!

Es ist es sinnvoll, die Triade einmal in einer therapeutischen Sitzung zu erleben – danach kann alleine gearbeitet werden. Diese Aufstellung benötigt grundlegend keine Hilfsmittel und auch keinen festen Raum, sie kann im Stehen oder Sitzen, zuhause oder an beliebigen Orten durchgeführt werden.

Die Methode nutzt wie alle „bottom-up“ Verfahren den Fakt, dass am Anfang immer zunächst eine Körperwahrnehmung steht, die wir im nächsten Schritt in ein Erleben umdeuten, z.B. indem wir Gefühle benennen und Theorien dazu entwickeln. Dies ist aber schon unsere Interpretation des Geschehens! Es ist daher wichtig, zunächst auf die tatsächlich vorhandene Körperwahrnehmung zu fokussieren. Daher bleiben bei der Triade die Augen auch offen. Andernfalls neigen wir dazu, trancemäßig in freie Assoziation zu gehen (was in der Hypnotherapie erwünscht ist, hier aber eher zum Nicht-Wahrnehmen des Körpers führt).

Das Folgende ist eine grundlegende Beschreibung, wie es gemacht wird, keine Übungsanleitung. Du kannst eine komplette Einführung in die Methode durch die Begründerin Gabriela von Witzleben hier auf Youtube finden.

Grundlegendes Vorgehen bei der Triadischen Aufstellung

Es gibt drei hervorgehobene Positionen: Bauch, Herz und Kopf. (Um sie hervorzuheben, kann mit drei unterschiedlichen Scheiben oder ähnlichem, was gerade greifbar ist, gearbeitet werden.)

Die Positionen werden von der Person gelegt, die ihre Triade durchschreiten wird. Ich habe hier absichtlich kein gleichseitiges Dreieck gelegt, denn die Positionen sind oft ein wenig verschoben. Dennoch sollten die Zentren relativ nah beisammen sein, denn immerhin gehören sie alle zur selben Person.

Triadische Aufstellung

Die Richtung des Begehens ist immer von Bauch nach Herz nach Kopf und weiter. Die Augen bleiben dabei offen.

Auf jeder Position wird die folgende Frage gestellt:

„Geh mit der Aufmerksam und Wahrnehmung in <Zentrum>.
Wie ist es im Körper?“

Die Frage für sich beantworten, so schnell und spontan wie möglich. Stehe ich fest oder wacklig? Fühlt es sich stabil oder schwankend an? Wie geht es Hals, Schultern, Armen, Händen? Dies sind nur Beispiele! Es geht hier nicht darum, alles aktiv abzufragen, sondern die merklichen Körperwahrnehmungen zu erfassen. Es braucht keine Anstrengung. Es geht ums Nichts-Tun.

Die erste Runde ist zum Warmwerden und Wahrnehmen des eigenen Zustands auf der jeweiligen Position.

In der zweiten Runde geht es um Unterschiedsbildung – wieweit hat sich schon etwas geändert nur beim Durchgehen?

Ab der dritten Runde wird mit dem vorher besprochenen Thema bzw. den Themen, die an einer Position hochgekommen sind, gearbeitet. Dabei können Positionen zu Wort kommen und miteinander in Kontakt kommen.

Einige mögliche Interventionen sind:

  • Befragung auf der jeweiligen Position, wenn an einer anderen ein Thema hoch kam: „Weiß denn der Kopf, was der Bauch da gesagt hat? Hat das Herz mitbekommen, wie es dem Kopf geht?“ Es ist erstaunlich, wie oft ein Zentrum von anderen abgekoppelt ist. Dann hat vielleicht der Kopf eine Haltung von „Ich habe nichts gehört.“ oder „Ich hab es gehört, aber das Herz soll mal nicht soviel Ärger um Nichts machen“, und das Herz bleibt alleine und abgelehnt.
  • Eigene Scheibe legen: Oft legen wir (warum auch immer) gar nicht unsere ganz eigene Version, sondern eine andere. Scheibe hochnehmen und nochmal aktiv als eigene Version legen kann hier einen Unterschied machen.
  • Echtzeitalter legen: Oft sind wir bei einem Thema gar nicht in unserem aktuellen Alter, sondern es liegt eine Altersregression vor (eins fühlt sich viel jünger oder älter). Auch hier kann Scheibe hochnehmen und nochmal aktiv ablegen und im Echtzeitalter draufstehen einen Unterschied machen.
  • Positives Anliegen/Thema in die Mitte legen und die Zentren dazu befragen. (Das Anliegen muss dabei von einem selbst erfüllbar sein.) Erstaunlich oft ist das gedachte Anliegen gar kein Thema für die Zentren, oder nur einzelne kennen es und finden es wichtig.
  • Negativ bewertete Körperphänomene (z.B. Migräne) legen im Wünschelrutenverfahren: Dabei wird das Problem in der dritten Runde mit einer eigenen Scheibe (o.ä.) in die Hand genommen und beim Gehen durch die Triade wird geprüft, wohin dieses Phänomen am meisten gehört. Es kann dann an einem Zentrum oder ggf. auch zwischen zwei Zentren abgelegt und dort weiter erforscht werden.
  • Innere Anteile legen: Wenn bei einem Zentrum ein recht konkreter innerer Anteil auftaucht, kann dieser als eigene Scheibe gelegt werden. Im nächste Schritt kann auf diese neue Position gegangen und mit ihr gearbeitet werden.
  • Fremde Anteile legen: Manchmal sind unsere Themen gar nicht unsere eigenen, sondern wir haben uns an „Emokoggen, Kognokoggen oder Embodikoggen“ infiziert (Emo- für Gefühle, Kogno- für Denken und Embodi- für körperlichen Ausdruck). All diese Aspekte können wir von der Umgebung, z.B. der Familie übernommen haben. In der Triade können solche fremden Aspekte gelegt und der Bezug zu ihnen verändert werden.

Zu Problemen kommt es beispielsweise, wenn unterschiedliche Zentren unterschiedliches wollen, oder wenn Probleme bei einem Zentrum von den anderen ausgeblendet werden. Dies kann zu überlasteten Zentren führen. Vielleicht arbeitet die ganze Zeit der Kopf, um eine Schwäche auf der Herz-Position abzufangen – aber der Kopf ist eigentlich nicht für die Verbindung zuständig, d.h. er wird irgendwann an seine Grenzen stoßen.

Ziel der triadischen Aufstellung ist es, dass Zentren mehr in Kontakt kommen, mehr in ihre eigene Kraft gehen und alle gemeinsam zukünftig besser zusammenarbeiten.

Auf welchem Zentrum genau die Begehung endet, ergibt sich während des Durchgehens. Oft ist es das Zentrum, das das „Problem“ getragen hat, oder das Zentrum, das sich als größte Ressource zum Thema herausstellt.

Die triadische Aufstellung kann online durchgeführt werden oder vor Ort in Bremen. Bei Interesse eine Mail an „info@beratung-psychotherapie-grossmann.de“ schreiben.

Weitere Infos zur Triade findest Du auf der Webseite Institut für Triadische Systemik von Gabriela von Witzleben.