Irgendwann las ich den Satz „Was wir in den Mund nehmen und essen können wir extrem gut kontrollieren.“ Als lebenslang übergewichtige Person fand ich diesen Satz faszinierend wahr und gleichzeitig unglaublich, denn bei mir herrschte hauptsächlich unwillkürliches Erleben vor. Ein ständiger Drang nach Essen, oraler Befriedigung, Beruhigung. Da war kein Gefühl von Kontrolle. Erst nachdem ich über Jahre hinweg die verschiedenen zugrundeliegenden Motivationen und Bedürfnisse verstanden und anders erfüllt habe, hat sich hier etwas bei mir verändert.

Gedankenspiele

Was können andere sagen oder machen, was dein Problem verschärft?

  • „Du kommst ganz nach deiner Oma!“ (der ungeliebten, die zudem fett war)
  • „Das hast du von deinem <anderen Elternteil>.“
  • „Kannst du nicht ein paar Kilo abnehmen?“ (und damit besser aussehen im Freundeskreis)
  • „Nimm nicht soviel, lass anderen auch was übrig.“
  • „Iss das hier, das ist gut für dich. Hat auch kaum Kalorien.“
  • „Hier, probier doch mal diese neue Diät. Bei der Nachbarin hat sie auch geholfen.“
  • „Du hast abgenommen! SUPER! Habe dir schon die ganze Zeit gesagt, dass du das endlich tun sollst. Schön, dass du endlich mal auf mich gehört hast.“
  • „Endlich habe ich mein hübsches Kind wieder.“ (nach erfolgreicher Diät)
  • „So kann ich mit dir nicht auf die Straße.“ (nach Gewichtszunahme)
  • „Habe dir zum Geburtstag deine Lieblingstorte gekauft. Einmal ist keinmal, morgen kannst du wieder Diät machen.“
  • „Kalorienzählen ist eine Essstörung, habe ich gelesen.“
  • Seitenblick, wenn eins irgendwo auf der Straße etwas Alltägliches isst, z.B. Brötchen, Würstchen oder Eis. „Kein Wunder, dass die Person so dick ist, wenn sie DAS isst.“
  • ….

Was kannst du selbst denken und tun, um dein Problem zu verschärfen?

  • Ist genetisch, meine ganze Familie ist und war dick.
  • Das ist mein Organismus, den habe ich mir durch Diäten versaut.
  • Ich habe halt keine Selbstbeherrschung.
  • Ich habe schon soviel versucht, nichts hat funktioniert. Bin halt zu blöd zum Abnehmen.
  • Weil mein Elter damals X gemacht hat, bin ich so dick geworden.
  • Wenn mein Elter nur X nicht mehr sagen oder tun würde, müsste ich nicht mehr dick sein und könnte endlich abnehmen.
  • Wenn ich gestresst bin, esse ich immer!

Kommen dir diese Äußerungen bekannt vor?

Wenn wir unser Leben lang mit solchen Sätzen von außen und eigenen inneren Glaubenssätzen leben, dann ist es kein Wunder, dass sich am Essverhalten und Übergewicht nichts verändert und wir auch selbst das Gefühl haben, dass wir unwillkürlich (über)essen und sich dieses Thema der aktiven Veränderung entzieht.

Temporäre Diäten führen dann temporär zu guten Gefühlen, die darunterliegenden Themen sind aber noch genauso da und wirken weiter, zur nächsten und übernächsten Runde von Zunehmen und Abnehmen.

Es gibt beim Abnehmen auch einen reinen Zahlenaspekt – wenn wir mehr Kalorien essen, als unser Körper verbrennt, werden wir über die Zeit zunehmen. Das hat nichts mit Psychologie zu tun und viel mit alltäglichen Mustern, die sich etabliert haben. Hier hilft, mal 2 Wochen lang ganz konkret aufzuschreiben, was gegessen wird.

Die Psychologie schaut hingegen auf die Frage: „Wofür ist dieses Essverhalten oder das Übergewicht gut? Welche bisher nicht hinreichend befriedigten Bedürfnisse steht hier dahinter?“

Beim Thema Übergewicht geht es dabei oft um das bessere Halten der eigenen Grenzen und einen zielführenderen Umgang mit Personen finden, die mit Aussagen und Handlungen immer wieder übergriffig in unsere (Körper)Autonomie einzugreifen versuchen.

Hierbei biete ich dir hilfreiche Strategien und Tools an, mit denen du dir deine automatisierten Impulse und Glaubenssätze bewusst machen kannst (die aus Innensicht deines Systems sinnhaft sind, auch wenn dir das selbst nicht so vorkommt!), so dass du danach die Wahl hast, wie du damit anders umgehen kannst.

Als selbst lebenslang betroffene Person liegt mir das Thema Übergewicht und Essverhalten am Herzen. Übergewicht von Kindheitstagen an bzw. das Zuviel-Essen ist ein Ergebnis und Ausdruck (Symptom) von darunterliegenden Themen, die sich mit Kalorienzählen und Kohlsuppe nicht automatisch verändern. Mein Angebot richtet sich dabei gezielt an Personen ab 21, die schon ihr ganzes Leben mit diesem Thema zu tun haben oder bei denen das Thema heute einen sehr großen Raum einnimmt.